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Vacha

Modell des Vachaer Rathauses
Dies ist das Vachaer Rathaus wie man es im "mini-a-Thür" in Ruhla sehen kann

Georg Witzel (Wizel, Wicelius), * 1501 in Vacha (Rhön), † 16. Febr. 1573 in Mainz. Witzel stud. in Erfurt (1516/17) und Wittenberg (1520). Nach sehr kurzem Studium wurde er durch den Bischof von Merseburg zum Priester geweiht und erhielt ein Vikariat in seiner Heimatgemeinde Vacha. Da er sich aber Luther zuwandte und sich verheiratete, verlor er 1524 sein kirchl. Amt und wurde zunächst Stadtschreiber in Vacha. Durch Vermittlung des luth. Predigers J. Strauß in Eisenach erhielt er Pfarrstellen in Wenigen- Lupnitz und in Niemegk. Nach eifrigem Kirchenväterstudium wandte er sich jedoch wieder von Luthers Lehre ab und wurde kath. Prediger in Eisleben (1533). Sein erfolgreiches Eintreten für die kath. Sache in vielen polemischen Schriften verschaffte ihm einen Ruf nach Dresden an den Hof des Herzogs Georg von Sachsen. Hier wirkte er für die Reunion beider Konfessionen. Nach dem Tode Herzog Georgs folgte er einem Ruf des Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg. Wegen der schnellen Fortschritte des Luthertums in den brdbg. Landen mußte er Ende 1540 Berlin verlassen und fand eine neue Stelle als Rat des Abtes Johann von Henneberg in Fulda. Als solcher nahm er an mehreren Reichstagen teil. 1553 lehrte er an der Univ. in Mainz und wurde von Ferdinand I. zum kais. Rat ernannt. 1561 promovierte er zum Dr. theol., und Maximilian II. gewährte ihm eine jährl. Pension.
Das umfangreiche schriftstellerische Werk des vom Humanismus geprägten Reformtheologen Witzel (über 150 Schriften) diente vor allem der Pastoraltheologie (Predigten, Schriften über den Katechismus) und den Kirchenväterstudien. Als bedeutender Hymnologe wirkte er mit an der Wiederbelebung des ma. deutschen Kirchenliedes in den kath. Gemeinden und an der Übs. lat. Hymnen für den deutschen Volksgsg. Schon das GsgB. von M. Vehe bringt einige Übs. aus seiner Feder. Drei seiner eigenen pastoralliturg. Schriften, das Deutsch Betbuch (1537), die Odae Christianae (1541) und der Psaltes Ecclesiasticus (1550) enthalten wichtige hymnologische Beitr., vor allem die letztere mit dem Text zu 24 älteren Kirchenliedern und den Mitt. über ihre Einordnung in die vorreformatorische Liturgie.

Werke (außer den rein theologischen Schriften; keine enthält Noten): Deutsch Betbuch allen Gottsförchtigen zu heyl, an tag außgangen, o. O. 1537 (darin Bl. 191-206: Etliche Christliche Gesenge, Gebette vnd Reymen f. die Layen Georgii Wicelij); Odae Christianae. Etliche Christliche Gesenge, gebete vnd Reymen f. die Gotsförchtigen Layen Georgii Wicelij, Mainz 1541, gedr. bei Fr. Behem; Ecclesiastica Liturgia. Wie sich der gemein Christen Lay der Latinischen Missen zu besserung sein selbs gebrauchen künde ...Item Hymnologium Ecclesie. Das ist Lobgesänge der Catholischen Kyrchen zur täglicher Vesperzeit durchs gantze Jar verdeudtschet, Köln 1545, P. Quentell; Verdeutschte Kyrchgesenge. Die Sequentz oder Prosen, so die Latinische kyrch bey der Liturgy oder Messe, in Gottlöblichem brauch durchs gantz iar hat vnd helt, verstendlich gedolmetschet, Köln 1546, J. Quentell; Vespertina Psalmodia. Die Funffzig Vesperpsalmen, so die Hl. Kyrche Gottes alle tage durch die wochen offentlich zu singen vnd zu lesen pflegt, Köln 1549, J. Quentell; Psaltes Ecclesiasticus. Chb. der Hl. Catholischen Kirchen Deudsch jtzundt new ausgangen, Köln 1550, verlegt durch J. Quentell, gedr. bei Fr. Behem, Mainz.

Literatur: Ph. Wackernagel, Bibliogr. zur Geschichte des deutschen Kirchenliedes, Ffm. 1855, 175f., 234f., 571f., 591-593; ders., Das deutsche Kirchenlied v. der ältesten Zeit bis zu Anfang des 18. Jh., I, Lpz. 1864, 757, 760, 835ff., u. V, 1877, 923-931; W. Bäumker, Das kath. deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen I, Freiburg 1886, 65f., 129-132; N. Paulus, Art. G. Witzel in Lex. f. Theologie u. Kirche, Freiburg 1928ff.; J. Lortz, Die Reformation in Deutschland, Freiburg 3/1940, 221-225; W. Trusen, Georg Witzel, Phil. Diss. Göttingen 1950 (mschr.); ders., Art. G. Witzel in Lex. f. Theologie u. Kirche X, 2/1965, Sp. 1205f.


Walther Lipphardt
[Die Musik in Geschichte und Gegenwart: Witzel, Georg. Musik in Geschichte und Gegenwart, S. 81387 (vgl. MGG Bd. 14, S. 749 ff.) (c) Bärenreiter-Verlag 1986]