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Tiefenort

Johann Melchior Molter: Konzert für Trompete, 2 Oboen, Fagott D-dur - I. Allegro:

Johann Melchior Molter,  * 10. Febr. 1696 in Tiefenort/Werra im Fürstentum Sachsen-Eisenach, † 12. Jan. 1765 in Karlsruhe (»alt 69 Jahr« ). Er trat 1717 als Musicus in den Dienst des Markgrafen Karl Wilhelm von Baden-Durlach, heiratete am 12. Juli 1718 Maria Salome Rollwagen aus Hagsfeld b. Karlsruhe und wurde am 16. Okt. 1719 mit vollem Gehalt beurlaubt, um sich in Venedig »in der Musik mit Erlernung der ital. Manier, auch anderer Vortheil und Handgriffe mehrers zu habilitieren«. Im Juli 1720 schickte er von dort 6 Concerti an den bad. Hof mit der Bitte, seine Studien in Rom fortsetzen zu dürfen. Als J. Ph. Käfer 1722 aus dem Hofdienst schied, wurde Molter sein Nachf. als Kpm. der Hofmusik im alten Schloß zu Durlach und im neuen zu Karlsruhe. Der Ausbruch des poln. Thronfolgekriegs (1733) veranlaßte den Markgrafen, seine Residenz in Karlsruhe aufzugeben und die Hofmusik aufzulösen. Molter wurde unter Beibehaltung des »Capellmeister Praedicats« an den Hof von Sachsen- Eisenach entlassen, wo die Stelle des Hofkpm. durch den Tod J. A. Birckenstocks vakant geworden war. Anfang 1738 hielt er sich in Venedig, Ancona, Foligno und Rom auf. Nach GerberATL war er »um das Jahr 1741« wieder in Karlsruhe, was mit dem Zeitpunkt der Auflösung der Eisenacher Hofkapelle übereinstimmt. Nach den bad. Hofakten wurde er jedoch erst am 17. Febr. 1743 »wieder in Dienste angenommen«. Nachdem der junge Markgraf Karl Friedrich die Regierung angetreten hatte, forderte er von Molter einen Plan »von einer zwar nicht allzu großen, jedoch wohleingerichteten Capelle«, welcher im März 1747 mit einem Kostenanschlag von 6776 fl. genehmigt wurde. Da einige der 24 Musiker mehr als ein Instr. beherrschten, standen zur Ausw.: 8 V., 4 Va., 1 Vc. (auch Gambe), 2 Kb., 2 Fl., 2 Ob., 2 Klar., 3 Fg., 5 Trp., 1 Paukenspieler. Molter erhielt neben Naturalien 500 fl. Besoldung. Er versah sein Amt bis zu seinem Tode.
Schon als junger Musiker lernte Molter am markgräfl. Hof Werke der zeitgenöss. frz., oberital. und deutschen Opern- und Instr.-Musik kennen und blieb lebenslang den verschiedenen Einflüssen offen. Er beherrschte die frz. Kompos.-Technik ebenso wie die ital. und schloß sich in seinen späteren Schaffensjahren den Mannheimer Bestrebungen an. In den Ouvertüren finden sich gut gearbeitete Fugen, soweit er nicht nach dem Vorbild Rameaus das fugierte Allegro durch ein homophones in der Sonatenform ersetzt. Seine Solokonzerte ahmen in Form und Spieltechnik Vivaldi und Tartini nach. Thematik, Form, Dynamik und Instrumentation durchlaufen eine geschlossene Entwicklung von der frz. Ouvertüre und dem ital. Concerto grosso (s. MGG II, Sp. 1609 und 1612) zur drei-, vier- und fünfsätzigen Sinfonie mit zweithemiger Sonatenform im Geist der zeitgenöss. Mannheimer. Molter verstand es trefflich, nicht nur für die allgemein gebräuchlichen Streich- und Blasinstr. charakteristisch und gut liegend zu schreiben, sondern auch für die paarig besetzten Chalumeaux, die eben aufkommende Klar. (s. MGG VII, Sp. 1007, 1008), die Hf. (s. MGG V, Sp. 1574 und 1575) oder den seltenen Flauto traverso d'amore As. Nur die Behandlung des Cemb. bleibt im Solokonzert, nicht aber in den Sonaten mit obligatem Cemb., hinter der zeitgemäßen Spieltechnik zurück. Die Solokantaten (s. MGG VII, Sp. 571) sind vorwiegend für Sopr. auf ital. Texte und im Stil der Neapolitaner geschrieben. Geistl. Chor- und Solokantaten auf deutsche Texte sind nur in Skizzen und Fragmenten erhalten.

Johann Melchior Molter: Fagottkonzert g-moll:




Werke (wenn nicht anders angegeben LB Karlsruhe). A. Vokal: Or. zum Karfreitag »Höchst schmerzensvoller Tag«, Ms. in Sondershausen, Kreisbibl., Hs. M. 18: 133; Kantaten Mss. 426-442.
B. Instr.: Esercizio studioso, cont. 6 Sonate a V. solo e Cemb. op. 1., Amsterdam o. J.; 2 Sinf. Es (nicht B wie EitnerQ angibt) u. D, Ms. Stb. LB Darmstadt, verbrannt, Incipit erh.; 2 Sinf. B u. D (2 V., Va., Bc.), Ms. Stb. Schwerin, 3811 u. 3811/1, Concerti, Concerti grossi, Ouv., Sinf., Sonate grosse, Son., Menuette u. Märsche in Orch.-, KaM. u. Bläserbesetzung in Mss. 299-425 u. 444-685 (Mss. 368 u. 369 identisch m. 370 u. 371, Ms. 425 identisch m. Rückseite 359), darunter Solokonz.: 3f. V., 1f. Vc., 9f. Fl., 1f. Fl. d'amore, 5f. Ob., 4f. Klar., 1f. Hr., 4f. Clarino, 1f. Cemb., 1f. Fl. u. Fg. (Ms. 353 identisch m. 355), 2f. Fg. (Ms. 358 enthält beide); bei 3 Konz. ist die Zuweisung an ein Soloinstr. unsicher, vermutlich: Ms. 323f. V., 328f. Klar., 341f. Fg.; Ms. 443 Choralvorspiele f. Org. Die Mss. sind teils antograph, teils Stb. Die Mss. 353-359, 424, 425, 668, 670, 685 dürften andern Komp. angehören. Die Hs. 70 Praktische Musik (b. EitnerQ irrtümlich Ms. 7) ist 1942 verbrannt (12 Konz. f. 2V.,Va.,Vc., Kb., 2 Ob.). In der UB Rostock sind 2 Concerti a 6 u. ein Conc. pastorale erh. (EitnerQ schreibt sie fälschlicherweise Johann Markus Molter zu, es gibt jedoch keinen Komp. m. diesem Namen)

Literatur: W. Bauer, Das Hoftheater zu Karlsruhe 1715-1810, Phil. Diss. Heidelberg 1923 (mschr.); H. Becker, Klar.-Konz. des 18. Jh. m. Vorw. in EdM 41, Wiesbaden 1957, B & H; EitnerQ (dort auch die ältere Lit.); H. Engel, Das Instr.-Konz., Lpz. 1932, 95 u. 164; G. Frotscher, Geschichte des Orgelspiels u. der Orgelkompos. II., Bln. 1936, Hesses Verlag, 1117; GroveD, 5/1954; F. Hermann, Thematisches Verz. der Werke J. M. Molters, Ms.; L. Schiedermair, Die Oper an den bad. Höfen des 17. u. 18. Jh., Lpz. 1913, B & H, Sonderdruck aus SIMG XIV, 2-4; E. Schmitz, Geschichte der Kant. u. des geistl. Konz., I, Geschichte der weltl. Solokant., Lpz. 1914, 251f.; D. Hussey, Clarinets and the Musical Glasses in The Listener v. 23. Dez. 1954 (über die Auff. des Klar.-Konz. G [Ms. 302] in der BBC); s. auch Lit. des Art. Karlsruhe, ferner MGG III, Sp. 1082, IV, Sp. 351, VI, Sp. 1264 u. 1265, VII, Sp. 1077. Briefliche Mitt. v. BM, Hess. LB Darmstadt, Mecklenburgische LB Schwerin, UB Rostock, Kr.-Bibl. Sondershausen; mündliche Mitt. u. Hss.-Verz. der Bad. LB Karlsruhe; Akten aus dem Generallandesarch. Karlsruhe u. des ev. Kirchengemeindeamts Karlsruhe.


Friedrich Hermann
[Die Musik in Geschichte und Gegenwart: Molter, Johann Melchior. Musik in Geschichte und Gegenwart, S. 51553 (vgl. MGG Bd. 09, S. 446 ff.) (c) Bärenreiter-Verlag 1986]