Tann/Rhön
Auch wenn Tann nicht mehr zur thüringischen Rhön gehört, so liegt es doch hart an deren Grenze. Bei einem so klangvollen Namen musste ich eine Ausnahme machen, er war mit Johann Sebastian Bach immerhin, wenn auch nur weitläufig verwandt:
Johann Michael Bach, wurde am 9.11.1745 in Struth bei Schmalkalden als Sohn des Schirrmeisters Jakob Bach und Ottilie, geb. Weisheit, geboren. In Tann war er von 1767 bis 1778 als Kantor und Organist tätig, verschwand aus Tann obwohl (oder weil?) er Vater eines unehelichen Sohnes wurde. Er machte nach Percy M. Young ausgedehnte Reisen durch Holland, England, Amerika und war 1779/80 in Göttingen als Student der freien Künste eingetragen; 1781 war er an der Leipziger Universität immatrikuliert. 1782 bis 1793 war er dann wieder in Tann und heiratete die Mutter seines Sohnes. Weitere Stationen seines Lebens: Güstrow (dort komponierte er die weltliche Kantate "Heil dir, beglücktes Land" zu Ehren des Herzogs von Mecklenburg), 1795/96 war in der Schweiz und wurde 1797 Professor in Elberfeld, dort starb er am 13.6.1820. Außer etlichen Cembalokonzerten und Kantaten schrieb er ein theoretisches Werk: "Anleitung zum General-Baß und der Tonkunst".Kommentare zu einer erschienen CD mit Kantaten (mit Musikbeispielen zum Reinhören) von ihm:
Westfälische Nachrichten 4.12.2000: "Eine echte Entdeckung. Nicht nur, weil in ihr zum ersten und vielleicht einzigen Mal ein Bach das lupenreine Idiom der Wiener Klassik spricht. Die Musik ist routiniert, aber kraftvoll komponiert, originell instrumentiert und darf mit dem Besten ihrer Zeit verglichen werden. Max inszeniert das alles sehr spannend, leidenschaftlich geradezu."
Early Music Review 2 / 2001: "A wonderful insight into music off the beaten track during their lifetimes. JM makes exciting use of clarinets. A very fine disc, well worth having."
[aus Gottfried Rehm: "Die Rhön in alten Zeiten" ISBN 3-89906-389-9 und Percy M. Young: "Die Bachs 1500-1850" VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978]
